elbericht Berolina Mitte - SCS III

Spielbericht SV Empor - SC Siemensstadt
01.06.2006
18.00 Uhr
Meisterschaftsendspiel
Ergebnis: 7:6 n.E.

Zurück in „unserem Wohnzimmer“. Nach einem Jahr Abstinenz war es uns wieder einmal vergönnt, auf „unserem“ Platz spielen zu dürfen. Der Gegner an diesem Tag hieß SV Empor und war uns noch sehr gut in Erinnerung. Vor 3 Jahren hatten wir ebenfalls das Vergnügen, gegen Empor um den Titel der Berliner Meisterschaft im unteren Herrenbereich zu kämpfen. Das Ergebnis war allen Protagonisten noch schmerzlich in Erinnerung.

Die Vorbereitung auf dieses Spiel war von einigen Schwierigkeiten gekennzeichnet. Bedingt durch den frühen Spielbeginn, was wirklich unverständlich und beklagenswert ist, mussten einige Spieler große Anstrengungen unternehmen, um pünktlich um 18.00 Uhr auf dem Spielfeld stehen zu können. Darüber hinaus meldete das Knie von Dirk wieder Wasserstandsanzeigen, was sich im Laufe des Spiels noch negativ auswirken sollte.

In den ersten 20 Minuten des Spiels war Empor die spielbestimmende und überlegende Mannschaft. Wir hatten erhebliche Probleme in der Zweikampfführung. Besonders im Mittelfeld waren die Gegenspieler stets einen Tick schneller am Ball, gingen konzentrierter zur Sache und auch im Zweikampfverhalten waren sie aggressiver und bissiger. Die ersten Torchancen verbuchte dann auch zwangsläufig der SV Empor, wobei der Schiedsrichter ein Tor des Gegners wegen einer Abseitsstellung zu Recht aberkannte.

Nach gut 20 Minuten fanden wir besser ins Spiel. Das Kurzpassspiel klappte zunehmenst und die Gegenspieler wurden im Mittelfeld wesentlich enger zugedeckt. Probleme hatten wir nach wie vor in der Ordnung des Spiels. Wir agierten teilweise sehr hektisch und brachten einfach nicht die nötige Ruhe ins Spiel. Das hing unter anderem auch mit dem „Ausfall“ unseres Chefs zusammen. Aufgrund seiner Knieblessur war Dirk körperlich leider nicht in der Lage, das Spiel an sich zu reißen und zu lenken.

In der Folgezeit verschafften wir uns ein deutliches Übergewicht im Mittelfeld. Angetrieben von einem nimmermüden Fabi und einem klug agierenden Micha setzten wir dem Gegner zu, ohne jedoch das Tor von Empor ernsthaft in Gefahr zu bringen. Letztlich fehlte der entscheidende saubere Pass oder aber etwas Glück. In der 42. Minute dann der Auftritt von Lars. Unmittelbar nach der Balleroberung versetzte Lars zwei Gegenspieler und schickte mit einem optimal getimten Pass in die Gasse den schnellen Fabi auf die Reise. Dieser behielt die Ruhe und spitzelte den Ball an dem heraustürmenden Torwart zum 1:0 in die Maschen. Der Juble war grenzenlos.

Kurz vor der Halbzeit sprach der Schiedsrichter Empor einen Freistoß auf der halblinken Seite zu. Anstatt den Gegner ins Abseits zu stellen, rückte nur die halbe Abwehr auf, der Ball gelang zu einem Spieler von Empor der aus etwa 18 Metern den Ball unhaltbar einnetzte. Sicherlich in seiner Entstehung aber auch zu diesem Zeitpunkt ein sehr unglücklicher Ausgleichstreffer.

In der Halbzeit war es relativ ruhig in der Kabine. Jeder konzentrierte sich auf seine Aufgabe. Wir wussten, dass wir mit unseren spielerischen Möglichkeiten in der Lage sind, Empor zu schlagen. Nur umsetzen mussten wir es noch.

Die zweiten 45 Minuten waren von zwei Dingen geprägt. Wir versuchten, über kurze Pässe und enormer Laufbereitschaft das Spiel zu diktieren. Empor hingegen praktizierte eher die rustikale Art und überbrückte immer wieder das Mittelfeld mit langen Bällen. Die größeren Spielanteile lagen weiterhin bei uns. Was unverändert fehlte war der Zug zum Tor.

Dann folgte die Szene zum 2.1 Führungstreffer von Empor.

Nach einem Ballverlust im Mittelfeld wurde der Spieler auf der linken Seite nicht entscheidend unter Druck gesetzt. Auch bei der Flanke störte ihn kein Spieler vom SCS nachhaltig. Folglich konnte dieser eine präzise Flanke in den 5 Meterraum spielen. Dort fand er einen dankbaren Mitspieler der aufgrund seiner Körpermasse sich geschickt zwischen den unglücklich wirkenden Abwehrspieler und dem zögerlichen Torwart stellte und die Kugel im Tor versenkte.

Der Schock saß zunächst tief. Darüber hinaus musste auch noch Dirk das Spielfeld verlassen. Für ihn rückte Olli ins Team. Lars tauschte die Position mit Fabi. Dies sollte zunächst noch keine gravierenden Auswirkungen auf unser Spiel haben. Das spielerische Übergewicht war weiterhin vorhanden. Die Torchancen indes waren sehr dürftig.

Es sollte erneut Lars sein, der dem Spiel eine für den SCS positive Wendung geben sollte. In der 75 Minute gelang Lars etwa 20 Meter vor dem Tor an den Ball, versetzte seinen Gegenspieler und konnte sich mit einem zügigen Antritt eine 1:1 Situation mit dem Torwart erspielen, behielt dabei die Ruhe und glich zum verdienten 2:2 aus. Danach passierte nicht mehr viel.

In der Verlängerung zeigte sich auf, dass wir sehr viel Laufbereitschaft während der 90.Minuten in das Spiel investierten. Der Kräfteverschleiß war groß. Auch bei Empor hatte man den Eindruck, dass sie nur noch ins Elfmeterschießen wollten. 2 Minuten vor dem Ende der Verlängerung wechselten wir absprachegemäß Ingo für Sibbe ein. Zum einen erhofften wir uns einen psychologischen Vorteil hiervon. Zum anderen war Ingo in dieser Saison schon einige Male sehr erfolgreich in demDuell Torwart gegen Schütze.

Es begann der SV Empor und verwandelte sehr souverän. Auch unser nachfolgender Schütze Defens ließ dem Torwart keine Chance. Bei den folgenden Elfmetern hatte man mehr und mehr den Eindruck, dass Ingo näher an die Bälle herankommt und sicherlich noch einen halten wird. Dem war leider nicht so. Nach dem Fabi, THE WALL und Polli sicher verwandelten war Lars der letzte Schütze. In der abgelaufenen Saison war es Lars, der auch mit seinen Elfmetern in den entscheidenden Momenten das Zünglein an der Waage war und uns auf die Siegerstraße führte. Es ist die Ironie des Schicksals, dass Lars an diesem Abend nicht traf und wir nach 2003 zum zweiten Mal im Elfemeterschießen gegen Empor unterlagen.

Insgesamt muss man konstatieren, dass im Vergleich zu 2003 diesmal nicht die bessere Mannschaft gewonnen hat. Ich denke, ohne mit der Brille des SCS das Spiel zu analysieren, dass wir mehr Spielanteile hatten und auch einen Tick gefährlicher waren. Ungeachtet dessen, hat es Empor trotzdem verdient, Meister zu werden. Sie haben eine überragende Saison gespielt und mit dem Double etwas erreicht, was andere Mannschaften sich zwar erhoffen, ihnen aber bislang verwehrt blieb.

Gratulation an SV Empor !!

Fazit :

Nach der verkorksten Saison 2004/2005, nach der uns zahlreiche „Fachleute“ und auch Dummschwätzer aus dem eigenen Verein für Tod erklärten, sind wir doch sehr lebendig und unterm Strich auch erfolgreich wiedergekommen. In der Meisterschaft legten wir einen überragenden Start hin. Wir spielten teilweise sehr guten Fussball. Insbesonders die erste Halbzeit gegen Süden 09 war eine Demonstration unserer spielerischen Fähigkeiten. Sicherlich gab es auch schlechte und zum Teil katastrophale Begegnungen, in denen uns deutlich die Grenzen aufgezeigt wurden, wenn wir psychisch und physisch nicht fitt sind.

Als Enttäuschung ist sicherlich das frühe Ausscheiden aus dem Pokal gegen Victoria 89 anzuführen. Das Spiel war exemplarisch dafür, dass eine mangelhafte Vorbereitung und eine lässige Einstellung zum Spiel verdientermaßen zu negativen Ergebnissen führt.

Hervorheben möchte ich aus dieser tollen und homogenen Mannschaft eigentlich niemanden. Jedoch hatten wir mit unserem „ehemaligen Sorgenkind“ Micha einen Spieler, der jede Minute auf dem Feld stand. Das verdient allergrößten Respekt. Auch die Spieler, die ihre freien Tage, beruflich als auch familiär betrachtet, so legen, dass sie zum Training resp. zum Spiel kommen können, seien hier erwähnt. Auch die Protagonisten, die trotz körperlicher Beeinträchtigungen jeden Sonntag ihren Mann standen, sollen nicht vergessen werden. Insgesamt besitzt der SC Siemensstadt mit seiner 3.Herren eine sportlich erfolgreiche und auch unstreitig verschworene Truppe, was leider nicht immer zur nötigen Achtung und Respekt innerhalb des Vereins führt.

Die Saison hat deutlich gemacht, dass wir nur dann in der Lage sind gegen die ambitionierten Mannschaften siegreich zu bestehen, wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen und konzentriert zu Werke gehen. Wenn wir ALLE diese Maxime beherzigen, dürfte uns auch in der Saison 2006/2007 nicht Angst und Bange werden.

Die Abgänge wiegen sowohl sportlich als auch menschlich sehr schwer. Es ist jedoch davon auszugehen, dass wir diese Lücken aus der Mannschaft resp. mit Neuzugängen gleichwertig kompensieren können. Und vielleicht wird es den Herrschaften ja doch in ihrem beschaulichen Reich etwas langweilig und sie sehnen sich nach einer stinkenden Kabine und dumpfen Fußballgesprächen zurück. Es wäre wirklich toll Euch wiederzusehen.

Es verabschiedet sich
Euer Defens


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